In seiner heutigen Kolumne befasst sich Renato Salvi mit den Krawallen vom Sonntag rund um die Voltamatte in Basel.

Wer hat’s erfunden?

Ricola! Ja genau, das ist die Antwort! Das wollen die Zuckerbonbons-Macher aus Laufen aus unseren Mündern hören. Dabei sollen wir möglichst unverständlich sprechen, denn der Mund soll mit ihren süssen Zahnplombenkillern vollgestopft sein... doch Moment! Ich wollte ja gar nicht von Süssigkeiten schreiben, sondern von der Krawallnacht auf dem Voltaplatz.

Aber wie komme ich denn nur in dem Zusammenhang auf Ricola? Genau! Wer hat eigentlich die Krawallkultur erfunden? Waren es vor ein paar Wochen die Zürcher? Sind die Scharmützel im St. Johann nur eine billige Kopie der Strassenschlachten an der Limmat? Warum wird eigentlich randaliert? Kann mir das bitteschön mal jemand erklären? Was rechtfertigt nächtliche Unruhen und Sachbeschädigungen von fremdem Eigentum? „Keine Macht dem Geld“ hat einer auf den Voltaplatz geschrieben. „Keine Macht dem Geld“?

Warum kommt der erst jetzt?! Ist dem noch nie aufgefallen, dass Geld schon immer ein Machtinstrument war. Vermutlich ist der erst jetzt aus einem 20-jährigen Koma erwacht und musste feststellen, dass die Welt den Mächtigen gehört. Hallo!!?? Ich glaube dies den Chaoten nicht!

Denen geht es doch nur darum: Krawall machen um des Krawall willen. Statt nur am Voltaplatz zu grillen und chillen nun auch noch Aggressionen stillen. Mit dem Wissen, dass ja sowieso nicht viel passiert, wenn ich von der Polizei erwischt werde, lässt es sich unbeschwerter Scheiben einschlagen und Wände verschmieren. Dies dann noch in einer Gruppe zu erleben gehört zum „Kick“ des Ganzen.

Warum man wütet, ist eigentlich Nebensache. Sonntagnacht war es die Macht des Geldes, ein anderes Mal das Abholzen von Bäumen. In einer Zeit, in der sich die Jugendlichen fast nur virtuell in Chatrooms oder im Internet treffen, sollten wir doch froh sein, dass sie mal wieder zusammen kommen und was gemeinsam unternehmen. Nun ja... und wenn sie das nächste Mal die Farbe zu Hause lassen und das Sprichwort „Scherben bringen Glück“ nicht in die Tat umsetzen, habe ich auch nichts dagegen.

Wöchentliche Kolumne von Renato Salvi
Schauspieler, Regisseur, Autor

www.renatosalvi.net
www.almisalvi.ch

Hier die offizielle Meldung der Basler Staatsanwaltschaft zu obiger Kolumne:

Massive Sachbeschädigungen am Voltaplatz

Am Voltaplatz ist es am Sonntagmorgen in der Zeit nach 3 Uhr zu massiven Sachbeschädigungen mit eingeschlagenen Fensterscheiben gekommen. Nachdem aus dem Gebiet der besetzten Voltamatte bereits die ganze Nacht massive Lärmbelästigungen gemeldet worden waren, entzündeten die dort versammelten rund 100 bis 150 Chaoten mit Baumaterial ein grosses Feuer, so dass die Berufsfeuerwehr kurz nach 3 Uhr löschen musste. Gleichzeitig begannen einzelne Vermummte, an Ladengeschäften der Eckliegenschaft Elsässerstrasse /Voltastrasse Scheiben einzuschlagen. Beim Einschreiten der Polizei zerstreuten sich die Randalierer in alle Himmelsrichtungen.

Zwei Personen wurden in Polizeigewahrsam genommen. Die Kriminalpolizei hat ein Strafverfahren eingeleitet.

 

 

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