Hilfe! Die Schweizer kommen!
Wenn der Euro sinkt, dann steigt des Schweizers Lust auf Einkäufe im
nahen Deutschland. Wenn der Euro sinkt, dann sinkt proportional dazu
aber auch die Stimmung der Deutschen Detailhändler.
Obschon sie dank den Schweizern ihr Geschäft des Lebens machen, sehnen sie sich
nach einem schweizerfreien Tag!
Unser Geld wollen sie schon, aber bitte nicht an allen Tagen!
Ich finde, das geht zu weit! Was fällt uns denn auch ein, in „Drübigen“ einkaufen zu
gehen! Nach Borkenkäfer-, Läusen-, Bienen- oder Wespenplage nun die Schweizer-Plage?
Die Detailhändler auf der anderen Seite des Schlagbaumes könnten doch an die Türen ihrer
Läden - gleich neben dem Aufkleber mit dem Hund „Ich muss draussen bleiben“ ‐ einen
Älpler mit Alphorn malen.
Dann wäre es klar:
Schweizer nicht erwünscht!
Gönnen wir den geplagten Deutschen etwas Ruhe von uns.
Die meisten „Schwoobe“ aus der Region müssen ja schon jeden Tag in die Schweiz
um arbeiten zu gehen. Und wenn wir dann noch jeden Tag zu ihnen rüber fahren,
da kommt doch das ganze Gleichgewicht durcheinander.
Dann bliebe doch gleich lieber jeder in seinem Land.
Aber was fällt uns „Schoggifressern“ überhaupt ein?
Es ist ja schon sehr unverschämt von uns, dass wir unser hart verdientes Geld
in Euros wechseln, um diese dann den „Spätzleschabern“ in den Rachen zu schmeissen.
Die sind doch völlig überfordert. Noch mehr Arbeit wegen uns!
Stellen Sie sich vor, wenn durch unseren Kaufrausch ein Detailhändler aus Weil plötzlich
so viel zu Tun hätte, dass er mehr Mitarbeiter beschäftigen müsste. Diese kosten doch nur Geld!
Durch den viel höheren Schweizer ‐Umsatz müsste er dann noch mehr Steuern
bezahlen – SKANDAL! Der Deutsche an sich ist ja von Geburt an Experte, wenn es ums
Sparen geht.
Schnäppchenjäger und Billig- ‐Junky!
Dann noch unnötig Geld für Steuern ausgeben? Geht gar nicht!!
Logisch sind wir im grossen Kanton nicht gerne gesehen.
Da wollen die Schweizer partout nicht in die EU, aber in der EU einkaufen, das wollen sie
dann schon. Ich möchte künftig keinen Deutschen unnötig reicher machen und gelobe
mich zu bessern.
Ich werde von nun an einen Bogen um Deutschland machen.
Und einen Bogen um jeden Deutschen, der sich bei uns bereichert.
Wenn Sie mich also demnächst in der Stadt antreffen, wie ich mich im Zickzack- Lauf
durch die Strassen schlängle, dann versuche ich nur jedem Deutschen, der bei uns arbeitet
aus dem Weg zu gehen.
Wöchentliche Kolumne von Renato Salvi
Schauspieler, Regisseur, Autor
www.renatosalvi.net
www.almisalvi.ch




