In seiner heutigen Kolumne befasst sich Renato Salvi mit den Lärmbelästigungen in den Trämli:

Alles erlaubt?

Ich besitze ein Jahres U-Abo der BVB! Ich fahre regelmässig Tram! Ich hasse es!!!

Auf meinem Weg von A nach B benutze ich die grünen, fahrenden Metallcontainer. Als Tramgast darf ich mich zur aussterbenden Spezies der „einfach dasitzen und mitfahren“-Gattung zählen. Sexualprobleme lauthals ins Handy brüllen, oder mit jemandem über den Juckreiz meines Fusspilzes zu diskutieren ist nicht mein Stil. Auch käme es mir nie in den Sinn, im Tram meine Hauptmahlzeit einzunehmen. Wenn diese dann noch nach Zwiebeln und Knoblauch stinkt, würde ich sie zu Hause auch nur auf dem Balkon verspeisen – aus Respekt vor meinem Umfeld.

Unterhaltungen im Tram führe ich nur im Flüsterton. Nicht weil ich nicht möchte, dass mir jemand zuhört, sondern weil ich meine Konversation anderen nicht aufdrängen will. Musik mit Kopfhörern zu hören ist heute auch nicht mehr in Mode, sondern man betritt dazu ein Tram und lässt alle am dröhnenden Hipp-Hopp-Beat teilhaben. Bettler mit Musikinstrumenten (Musiker kann man die ja nicht nennen) verlegen ihre „Bühne“ gerne ins Tram und trällern ihr „Volare“ ins vollbesetzte Verkehrsmittel. Bei dem Lärm kann man die Hipp-Hopp-Beats, den Ehestreit und die Handy-Gespräche nicht mehr hören. Obwohl ich bettelnde Trammusiker hasse, war ich ihnen schon oft dankbar für ein paar Minuten Quassel-Ruhe.

Die Menschen in Basel fühlen sich offenbar wohl in den grünen und gelben Schepper-Zügen. Man fühlt sich wohl im Tram. Ich frage mich oft, was diese Menschen eigentlich nach der Tramfahrt zu Hause tun? Sie haben ja schon gequasselt, gegessen, geschlafen, gestritten und all das im Tram gemacht, was „normale“ Menschen zu Hause tun. Vermutlich sitzen sie auf dem Sofa, starren ins Nichts und überlegen sich, was sie morgen im Tram alles anstellen wollen!
Wöchentliche Kolumne von Renato Salvi
Schauspieler, Regisseur, Autor

www.renatosalvi.net
www.almisalvi.ch

 

 

nach oben

 

 zur Frontseite